Vom Heim zum Lebensraum – Drinks & Learn Care bei tilia Ittigen
Im Rahmen des 150-Jahr-Jubiläums von Meer stand damit ein Thema im Zentrum, das in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird: die Gestaltung von Care-Räumen. Denn Alters- und Pflegeinstitutionen stehen vor grossen Herausforderungen. Der demografische Wandel, der steigende Pflegebedarf, der Fachkräftemangel und eine vielerorts in die Jahre gekommene Infrastruktur stellen hohe Anforderungen an Betreiber, Planende, Architekt, Innenarchitekt und Objekteinrichter.
Care-Räume müssen heute weit mehr leisten als reine Funktion. Sie sollen Orientierung geben, Sicherheit vermitteln, den Alltag erleichtern und gleichzeitig würdevoll, wohnlich und menschlich wirken. Genau darum ging es im Fachgespräch «Vom Heim zum Lebensraum».
Fachgespräch mit unterschiedlichen Perspektiven
Das Gespräch brachte vier Perspektiven zusammen:
Prof. Dr. François Höpflinger, Soziologe und Alters- und Generationenforscher, ordnete die gesellschaftlichen Entwicklungen ein. Er zeigte auf, wie sich Alter, Wohnen und Betreuung verändern und welche Folgen diese Entwicklung für Institutionen, Infrastruktur und Pflege hat.
Felix Bohn, Architekt ETH, Ergotherapeut und Fachberater für alters- und demenzgerechtes Bauen, übersetzte diese Herausforderungen in konkrete räumliche Anforderungen. Im Zentrum standen unter anderem Orientierung, Licht, Akustik, Materialien, Farben, Möblierung und Atmosphäre.
Erich Zaugg, Bereichsleiter Technischer Dienst & Garten bei tilia, brachte die Praxisperspektive aus dem Betrieb ein. Er zeigte, wie wichtig Alltagstauglichkeit, Unterhalt, Funktionalität und langfristige Nutzbarkeit über verschiedene Standorte hinweg sind.
Daniel Meer ergänzte die Sicht von Meer als Objektmöblierer und zeigte auf, welche Rolle Möblierung, Materialwahl, Beratung und Umsetzung in Care-Projekten spielen. Moderiert wurde das Gespräch von Mike Jungi.
Care ist eine Gestaltungsaufgabe
Ein zentrales Resümee des Abends: Gute Care-Räume entstehen nicht zufällig. Sie sind das Ergebnis einer sorgfältigen Zusammenarbeit zwischen Betreiber, Pflege, technischem Dienst, Architektur, Innenarchitektur, Fachplanung, Beschaffung und Objekteinrichtung.
Gerade in Alters- und Pflegeinstitutionen treffen viele Anforderungen aufeinander: Räume müssen robust, hygienisch und gut unterhaltbar sein. Gleichzeitig sollen sie wohnlich, vertraut, orientierend und atmosphärisch wirken. Diese Balance ist anspruchsvoll – und entscheidend für die Lebensqualität der Bewohner ebenso wie für den Arbeitsalltag der Mitarbeitenden.
Besonders deutlich wurde dies beim Thema Demenz. Wenn ein grosser Teil der Heimbewohner demenzielle Symptome erlebt, werden räumliche Klarheit, Kontraste, Lichtführung, Akustik und wiedererkennbare Materialien zu wichtigen Faktoren. Gestaltung wird damit nicht zur Dekoration, sondern zur Unterstützung im Alltag.
Vom institutionellen Raum zum Lebensraum
Der Titel des Abends fasste die zentrale Haltung zusammen: Es geht nicht nur darum, Heime funktional zu planen. Es geht darum, Lebensräume zu schaffen.
Ein Care-Raum soll Sicherheit geben, ohne bevormundend zu wirken. Er soll Orientierung ermöglichen, ohne institutionell zu erscheinen. Er soll Pflegeprozesse unterstützen und gleichzeitig Raum für Begegnung, Rückzug, Besuch, Alltag und Würde schaffen.
Für Meer ist Care deshalb ein Bereich, in dem Objektmöblierung besonders viel Verantwortung trägt. Möbel, Materialien und Raumkonzepte müssen im täglichen Betrieb bestehen – aber sie prägen auch Atmosphäre, Wahrnehmung und Lebensqualität.
Zusammenarbeit als Schlüssel
Der Abend zeigte auch: Die anstehenden Aufgaben lassen sich nicht isoliert lösen. Der Bedarf an alters- und pflegegerechten Räumen wird steigen. Gleichzeitig müssen bestehende Institutionen erneuert, umgebaut oder weiterentwickelt werden. Dafür braucht es frühzeitige Zusammenarbeit und gegenseitiges Verständnis.
Architektur, Innenarchitektur, Betreiber, Pflege, technischer Dienst, Beschaffung und Objekteinrichtung müssen gemeinsam denken. Nur so entstehen Räume, die funktional, wirtschaftlich, langlebig und menschlich zugleich sind.
Danke
Ein herzliches Dankeschön geht an Prof. Dr. François Höpflinger, Felix Bohn, Erich Zaugg, Daniel Meer und Mike Jungi für das engagierte Fachgespräch.
Ein besonderer Dank gilt der tilia Stiftung für Langzeitpflege für die Gastfreundschaft am Standort Ittigen und allen Gästen für den interessierten Austausch.
Das Drinks & Learn «Vom Heim zum Lebensraum» hat eindrücklich gezeigt: Care ist nicht nur eine Frage der Pflege. Care ist eine Frage der Haltung, der Gestaltung und der Zusammenarbeit.































